TransVocale

Frankfurt sur Odre
12. 11. 2016
 

 

ROBERT IWANETZ 14.11.2016 06:50 UHR - AKTUALISIERT 14.11.2016 16:06 UHR 
RED. FRANKFURT (ODER), FRANKFURT-RED@MOZ.DE

Feuerwerk für die Sinne

Frankfurt (Oder) (MOZ) Ob Folk aus Israel, polnischer Jazz mit Hip-Hop-Elementen oder ägyptischer Soul - das Programm der diesjährigen Transvocale bot völlig unterschiedliche Klangfarben aus der ganzen Welt. Die Frankfurter Zuschauer waren begeistert.



Das slowakische Roma-Ensemble "Kesaj Tchave"

© ROBERT IWANETZ

Es sind die flüchtigen, unberechenbaren Momente von geteiltem Glück, in denen die Transvocale ihre einzigartige Stimmung entfaltet. Immer dann, wenn zwischen Publikum und Musikern, die oftmals aus völlig verschiedenen Kulturkreisen stammen, für einen Augenblick trotz aller Unterschiede ein gemeinsames Band entsteht. Beispielsweise als die iranische Sängerin Mahsa Vahdat - die als Frau in ihrem Heimatland nicht öffentlich auftreten darf, wenn Männer im Publikum sitzen - nur mit ihrer Stimme das gesamte Kleist Forum verstummen ließ. Kein Knistern und kein Räuspern war mehr zu vernehmen, so intensiv war die Atmosphäre während des A-capella-Auftritts.

Oder im vollkommenen Gegensatz dazu: das slowakische Roma-Ensemble "Kesaj Tchave", das durch die Zuschauerreihen in den ersten atemlosen Minuten wie ein Orkan fegte. Die über dreißig jugendlichen Musiker und Tänzer ließen ein wahres Feuerwerk auf die Sinne des Publikums los, mit wallenden Kleidern und mitreißenden Melodien - angepeitscht unter den brüllenden Zurufen des Musikpädagogen Ivan Akimow. Und weil die Frankfurter dabei nicht von alleine aufsprangen, wurden sie anschließend auf die Bühne verschleppt.

In solchen Augenblicken zeigt sich der großartige Charakter des Festivals: Die Künstler sind nicht affektiert. Niemand spielt herunter, was er schon tausendmal gespielt hat. Stattdessen ist vieles, was die Musiker zeigen, spontan und persönlich, von sich und den Ländern aus denen sie kommen. "Man kann auf der Transvocale so viel entdecken", erzählte Birgit Boßdorf, die deshalb beinahe jedes Jahr wiederkommt. "Wo sonst höre ich mir schon tibetanischen Kehlkopfgesang an?", fragte die Grundschullehrerin aus Frankfurt.

Eine enorme Vielfalt zeichnete auch in diesem Jahr das musikalische Programm der Transvocale aus, das 2004 entstand, um an die Chansontage der DDR anzuknüpfen. Zur 13. Ausgabe konnten die Besucher 21 Konzerte auf sechs Bühnen erleben, kontrastreich zusammengestellt vom künstlerischen Leiter Bernhard Hanneken. So sang die israelische Folk-Band "TheAngelcy" einfühlsame Pop-Songs von der bedingungslosen Liebe im Foyer des Kleist Forums, während zeitgleich im Collegium Polonicum die polnische Jazz-Legende Hanna Banaszak auftrat.

Auch abseitige Töne hatten wieder ihren festen Platz im Programm: Am Sonnabend entführte das deutsch-brasilanische Frauenduo "Maritaca" die Zuschauer in die Klangwelten von Instrumenten wie Berimbau, Drehleier oder Pandeiro. Einen Tag zuvor hatte die äthiopische Musikerin Martha Teferra Mekonnen afrikanische Volkslieder auf dem Zupfinstrument Krar gespielt, begeistert beklatscht vom Frankfurter Publikum. Insgesamt kamen mit rund 5000 Besuchern ähnlich viele wie im Vorjahr. Der doppelte Transvocale-Preis ging diesmal an die Popsängerin Dominka Barabas für die polnische und an das Songschreiberduo Simon & Jan für die deutsche Seite.

"Die Transvocale war ein voller Erfolg", bilanzierte Festival-Sprecher Thomas Strauch, der selbst noch in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag auftrat. "Ich denke fast jeder Besucher konnte mit mindestens einer musikalischen Neuentdeckung nach Hause gehen." Die nächste Transvocale findet vom 16. bis 18. November 2017 statt.

 

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